{"id":169,"date":"2022-10-26T15:43:30","date_gmt":"2022-10-26T13:43:30","guid":{"rendered":"https:\/\/mens.ch\/?page_id=169"},"modified":"2022-11-28T19:16:14","modified_gmt":"2022-11-28T18:16:14","slug":"wiederverkoerperung-und-schicksal-im-alltag","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mens.ch\/?page_id=169","title":{"rendered":"Wiederverk\u00f6rperung und Schicksal im Alltag"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">1. Teil<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Tor der Geburt,<br \/>das Tor des To\u00addes<\/h2>\n\n\n\n<p>Was ge\u00adschieht, wenn man davon ausgeht, da\u00df die menschliche Exi\u00adstenz mit der Ge\u00adburt (oder der Zeu\u00adgung) be\u00adginnt und mit dem Tode endet. Dazu zwei Lebensl\u00e4ufe:<\/p>\n\n\n\n<p>Als M. auf die Welt kommt, ist sein Vater schon lange auf und davon. Seine Mutter, er ist ihr siebtes Kind, verl\u00e4sst das Krankenhaus in einer Grossstadt im ehemaligen Ostblock sobald sie kann, ohne ihn mitzunehmen. M. kommt nun in ein S\u00e4uglingsheim zu vielen anderen Leidensgenossen. Das Personal dieses Heimes ist v\u00f6llig \u00fcberfordert. Das Milchfl\u00e4schchen wird ihm nur ins Bett gelegt, lernt er nicht schnell, daran zu saugen, wird er nicht mehr lange leben. Drei Jahre bleibt er in diesem Heim, schliesslich darf er eine Stunde pro Tag aufstehen. Der Arzt bescheinigt ihm einen psychomotrischen Entwicklungsgrad von 30% eines normalen Kindes. Dann kommt er in ein Heim, in dem er bis zum Schuleintritt bleiben soll. Jetzt darf er zwar herumlaufen, aber das Heim, ein ehemaliges Justizgeb\u00e4ude in einer Kleinstatt, d\u00fcrfen die Kinder nicht verlassen, weil die Bev\u00f6lkerung sich dagegen wehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>So fanden ihn seine neuen Eltern in dem Heim: Ein viereinhalbj\u00e4hriges H\u00e4uflein Elend! \u2011 Jetzt lebt er in der Schweiz: und ist ein kerngesundes Goldst\u00fcck voller Pfiffigkeit und Phantasie\u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Geschichte h\u00e4tte auch so weitergehen k\u00f6nnen, wie f\u00fcr viele seiner Leidens\u00adgenossen:<\/p>\n\n\n\n<p>Hospitalismus-gesch\u00e4digt, ungeliebt, verlassen sie das letzte der Heime und landen im besten Falle im Schwarzhandel, normalerweise jedoch in Kriminalit\u00e4t und Prostitution.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Existenz doch erst mit der Zeu\u00adgung beginnt, stellt sich dann nicht notwendig die Frage:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Womit haben die Beiden ein so verschiedenes Schicksal&nbsp; verdient?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Existenz des Menschen erst mit seinem Leben auf der Welt be\u00adginnt, ist es dann nicht unge\u00adrecht, wenn der eine am Rande der Gesellschaft \u00fcber\u00adleben mu\u00df, w\u00e4h\u00adrend der an\u00addere in ihrer Mitte getra\u00adgen wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Sind das Fragen, die man als Mensch nicht stellen darf, weil es in Gottes Hand liegt, welche F\u00fc\u00adgung ein Leben bekommt? Aber das Problem wird dadurch nicht anders, da\u00df man das Fragen verbietet. Wollte denn Gott wirklich einen unm\u00fcndigen Men\u00adschen als Krone seiner Sch\u00f6pfung schaf\u00adfen, dem er die Er\u00adkennt\u00adnis dieser g\u00f6tt\u00adlichen Welt verbie\u00adtet?<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachten wir nun das andere \u201eEnde\u201c: Wenn man sein Leben hinter sich hat und seiner Umgebung wegen k\u00f6rperlicher und seelischer Gebrechen beginnt zur Last zu fallen, ist es da nicht besser \u2011 wie holl\u00e4ndische Politiker in Erw\u00e4gung zogen \u2011 jedem Menschen \u00fcber siebzig die \u201eTodespille\u201c zur Verf\u00fcgung zu stellen?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wenn nun sein Tod auch seine Exi\u00adstenz beenden w\u00fcrde, w\u00e4re doch sein Leben im hohen Alter ganz sinnlos.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re es nicht bes\u00adser, er fiele seiner Umwelt nicht zur Last und st\u00fcrbe ein\u00adfach, wenn seine Kr\u00e4fte ihn ver\u00adlas\u00adsen?<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa im Sinne des Baccalaureus im Faust:<br \/>Bacc.:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gewiss! das Alter ist ein schleichend Fieber<br \/>Im Frost von grillenhafter Not<br \/>Hat einer dreissig Jahr vor\u00fcber<br \/>So ist er schon so gut wie tot.<br \/>Am besten w\u00e4rs, euch zeitig totzuschlagen.<br \/>Mephisto:&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Teufel hat hier weiter nichts zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir die menschliche Existenz mit der Geburt oder Zeugung beginnen las\u00adsen, wird das Leben&nbsp;<em>un\u00adge\u00adrecht<\/em>, wenn wir sie mit dem Tod en\u00adden lassen, wird das Le\u00adben&nbsp;<em>sinnlos<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Aber endet die Existenz mit dem Tode?<\/p>\n\n\n\n<p>Nun die Frage wird wohl jeder reli\u00adgi\u00f6s ge\u00adstimmte Mensch verneinen, aber wie k\u00f6nnen wir si\u00adcher sein, ob die re\u00adligi\u00f6se \u00dcberliefe\u00adrung wirk\u00adlich die Wahr\u00adheit sagt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Kann man sich auch als ungl\u00e4ubiger Thomas \u00fcber diese Frage einen Weg bahnen, der zu An\u00adworten f\u00fchrt?<\/p>\n\n\n\n<p>Der ersten Frage \u2013 nach der Existenz vor der Ge\u00adburt \u2013 ist man si\u00adcher viel eher bereit, eine ab\u00adschl\u00e4gige Antwort zu erteilen, denn da gibt es ja nicht einmal eine all\u00adgemeine re\u00adligi\u00f6se \u00dcberlie\u00adferung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schicksalsereignisse<\/h2>\n\n\n\n<p>Wohl in jedem Leben lassen sich Schicksalser\u00adeignisse finden, bei denen man den Eindruck haben kann: \u00abWenn ich w\u00e4hlen darf, dann \u2013 wenn es m\u00f6g\u00adlich ist, \u2013 bitte nicht noch einmal! Aber es war doch gut, da\u00df es geschehen ist. Wenn ich das nicht durch\u00adge\u00admacht h\u00e4tte, w\u00e4re ich nicht der, der ich heute bin.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Illustration ein Erlebnis aus mei\u00adnem Leben:<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich 14 Jahre alt war, hatte ich mir einen Oszillographen ge\u00adbaut. (Eine Art Fern\u00adse\u00adher, der an\u00adstelle der Bilder elektri\u00adsche Schwin\u00adgun\u00adgen auf seiner Bildr\u00f6hre dar\u00adstellen kann.) Beim Zusam\u00admen\u00adschrauben mu\u00dfte das Ger\u00e4t umgedreht werden und dabei passierte es: ich bekam einen solchen elektri\u00adschen Schlag, da\u00df der Strom von der einen Hand \u00fcber meinen Arm&nbsp; durch den Brust\u00adkorb und das Herz zur an\u00adde\u00adren Hand flo\u00df. Die Mus\u00adkeln verkrampf\u00adten sich: Ich konnte das Ger\u00e4t nicht fal\u00adlen las\u00adsen: Der Strom flo\u00df immer weiter. Gl\u00fccklicher Weise konnte ich noch aufstehen und eine schnelle Drehung ma\u00adchen, so\u00adda\u00df das Ger\u00e4t aus mei\u00adnen H\u00e4nden flog\u2026 Ein schwerer Elek\u00adtroschock mit Herzflimmern, und Angst\u00advorstel\u00adlun\u00adgen waren die Folge.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst viel sp\u00e4ter ging mir der Sinn dieses Schick\u00adsal\u00adschla\u00adges auf \u2013 wenig\u00adstens an\u00adf\u00e4nglich: Ich war da\u00admals ein gl\u00fc\u00adhender Verehrer der Phy\u00adsik und ihres materiali\u00adsti\u00adschen Weltbildes. Meine Mutter erz\u00e4hlte mir, ich sei pl\u00f6tzlich mit Fragen wie: \u00abWarum ist das eigent\u00adlich alles so\u2026?\u00bb an sie heran\u00adgetreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Offenbar hatte der Schock meine so festgef\u00fcgte Vorstellungswelt gr\u00fcnd\u00adlich ersch\u00fcttert und Schichten der Weltempfindung freigelegt, die mir fr\u00fc\u00adher un\u00adzug\u00e4nglich waren. Der Schock hatte dabei wohl die Aufgabe eines Ausl\u00f6\u00adsers. Heute bin ich \u00fcber diesen wohl not\u00adwendigen Schock als Ausl\u00f6ser froh, \u2013 aber, bitte nicht noch ein\u00admal!<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliche Situationen sind wahr\u00adscheinlich zun\u00e4chst leichter in der fer\u00adneren Ver\u00adgan\u00adgenheit zu fin\u00adden, sind wir doch mit den k\u00fcrzlich \u00aberteilten\u00bb Schl\u00e4\u00adgen oft noch zu sehr ver\u00adbunden, als da\u00df wir schon gelassen auf sie blic\u00adken k\u00f6nn\u00adten.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Punkt unserer Betrach\u00adtungen stellen sich zwei Fragen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Haben alle Ereignisse einen entwick\u00adlungsbe\u00adstimmen\u00addem Einflu\u00df?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Woher wei\u00df das Schicksal, was f\u00fcr mich gut ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Gehen wir noch einen Schritt zur\u00fcck und fra\u00adgen uns:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp; Wie kam es zu dem Er\u00adeignis?<\/p>\n\n\n\n<p>Das l\u00e4\u00dft sich bei man\u00adchen Er\u00adeig\u00adnissen gut sagen, bei an\u00adderen weni\u00adger. Dennoch m\u00f6chte ich an einem Bei\u00adspiel schil\u00addern, was sich bei den meisten Schicksalssituatio\u00adnen \u2013 mehr oder we\u00adniger ver\u00adbor\u00adgen \u2013 auf\u00adfinden l\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach meiner Schulzeit wollte ich unbedingt sozial t\u00e4tig wer\u00adden. Ich erhielt Gelegenheit zur Mitarbeit in einer soeben von der Universit\u00e4t ein\u00adgerichteten Bera\u00adtungstelle f\u00fcr Drogenab\u00adh\u00e4ngige und Dissoziale. Vorher mu\u00dfte ich al\u00adlerdings erst in einem kleineren Beh\u00f6r\u00addenkrieg darum k\u00e4mpfen,&nbsp; diese Stelle zu be\u00adkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte Nachtdienst als einer der Jugendli\u00adchen die Nerven verlor, weil er seinen Mantel in einem Lokal ver\u00adwech\u00adselt hatte. Er hatte dadurch keinen \u00abStoff\u00bb mehr. Er be\u00adgann nun die R\u00e4ume zu de\u00admo\u00adlieren. Da ich al\u00adlein Nacht\u00addienst hatte, mu\u00dfte ich \u2013 der ich kaum \u00e4l\u00adter war als er \u2013 die Polizei an\u00adru\u00adfen und ihn in die be\u00adnach\u00adbarte Ner\u00advenklinik einliefern las\u00adsen. Allerdings kam die Poli\u00adzei erst nach 20 Minuten! Wie man sich leicht den\u00adken kann, ging er auch nicht freiwillig mit, so\u00adda\u00df er von den Polizisten kampfunf\u00e4hig \u00abgemacht\u00bb wurde, um es gelinde auszudr\u00fcc\u00adken. Das letzte, was er mir zubr\u00fcllte war: \u00abIch schlag dich tot, wenn ich wie\u00adder heraus\u00adkomme!\u00bb. Ich habe die Nacht nicht mehr ge\u00adschla\u00adfen und ihn dann mor\u00adgens aus der Ner\u00advenklinik abgeholt\u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>Als dann in einer weiteren Nacht \u2013 ich hatte wieder allein Nachtdienst \u2013 die Stereoanlage ge\u00adstohlen wurde, und mir morgens ein Jugend\u00adlicher andeutete, ich w\u00e4re jetzt wohl nicht mehr so \u00abbei\u00adeinander\u00bb, wenn ich letzte Nacht aufge\u00adtaucht w\u00e4re\u2026, ent\u00adschlo\u00df ich mich, die Stelle zu wech\u00adseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte nun alles unternommen, um diese f\u00fcr mich sehr unangen\u00adhme Erfahrung machen zu m\u00fcssen, wie anders die Wirklichkeit ist, als ich sie mir vorstellte. Und dies gilt sowohl im Hinblick auf jene Welt, die mir bis dahin verschlos\u00adsen war, als auch auf die mir zur Verf\u00fcgung stehenden Kr\u00e4fte und F\u00e4higkei\u00adten. Ich erlebte meine Grenzen und verlor Illusionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00fcren wir nachtr\u00e4glich ein solches Ereignis nocheinmal ab, so kann deut\u00adlich werden, da\u00df hier et\u00adwas in unser Le\u00adben eingreift, das uns n\u00e4her zu uns selbst f\u00fchren will, uns reifer werden l\u00e4\u00dft. Ein St\u00fcck weit sind wir dem, was der Mensch dereinst werden kann, n\u00e4\u00adher ger\u00fcckt. Mit anderen Worten: Ideale, in jugendli\u00adcher Begeisterung gebildet, werden revidiert, gekl\u00e4rt, ausgestaltet, reicher und realistischer.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Geh\u00f6rt mein Schicksal zu mir?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte nun eine Frage. die mir in vielen Gespr\u00e4\u00adchen bisher mit&nbsp;<em>nein<\/em>&nbsp;beant\u00adwor\u00adtet wurde. Die Frage lautet:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; W\u00fcrden Sie Ihr Schicksal mit dem Schicksal eines anderen Menschen tauschen wollen?<\/p>\n\n\n\n<p>Also die Frage lautet nicht: K\u00f6nnen Sie sich vor\u00adstel\u00adlen, da\u00df jemand Anderes mit ei\u00adnem an\u00adde\u00adren Men\u00adschen sein Schicksal tauscht, sodern ob Sie Ihr ur\u00adei\u00adgenes Schicksal mit allen Konse\u00adquen\u00adzen mit dem ei\u00adnes anderen Menschen tau\u00adschen wol\u00adlen. Das hei\u00dft: Man w\u00fcrde dann also fernerhin nicht mehr die Er\u00adeig\u00adnisse durch\u00adma\u00adchen, die man ohne den Tausch durch\u00adge\u00admacht h\u00e4tte, son\u00addern alle Freu\u00adden und Lei\u00adden des ande\u00adren Men\u00adschen \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Erl\u00e4uterung dieser Situation kann viel\u00adleicht die fol\u00adgende Parabel helfen:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Mensch im Himmel<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Mensch kommt mit seinem Kreuz bela\u00adden zum Him\u00admel. Er klopft an das Himmelstor und Pe\u00adtrus \u00f6ff\u00adnet ihm. Der Mensch wartet gar nicht ab, ob er von Petrus gefragt werde, son\u00addern ruft gleich: \u00abPetrus, Petrus, mein Kreuz ist mir zu schwer! Ich mu\u00df ein anderes haben\u00bb. Pe\u00adtrus ant\u00adwor\u00adtet nicht, f\u00fchrt ihn aber in den Gar\u00adten der Kreuze. Der Mensch wei\u00df nun, da\u00df er die\u00adsen Gar\u00adten nicht ohne ein Kreuz ver\u00adlassen darf. Er pr\u00fcft also genau, denn er mu\u00df damit ja in sei\u00adnem wei\u00adte\u00adren Leben zurecht kommen. Die Menge der Kreuze ist gro\u00df: Es gibt da Holz\u00adkreuze, Ei\u00adsen\u00adkreuze, Stein\u00adkreuze. Kreuze mit langem Querbal\u00adken, Kreuze mit mehreren Querbalken, bei eini\u00adgen ist ein Ende l\u00e4nger als das andere, bei wieder anderen ist der&nbsp; Quer\u00adbal\u00adken nicht rich\u00adtig fest, usw.&nbsp; Der Mensch pr\u00fcft also in der un\u00adge\u00adheuren Menge der Kreuze gr\u00fcndlich. Mit den al\u00adler\u00admei\u00adsten ist er nicht zufrie\u00adden. Lediglich eines sagt ihm zu, al\u00adlerdings hat er das Ge\u00adf\u00fchl, da\u00df es doch auch reichlich schwer sei, im\u00admerhin schien es ihm seiner w\u00fcr\u00addig. Er nimmt also die\u00adses Kreuz im Wis\u00adsen, da\u00df es eine an\u00adstrenge\u00adden Aufgabe wer\u00adden w\u00fcrde, und kommt zu Petrus zur\u00fcck an das Himmel\u00adstor, gl\u00fccklich l\u00e4chelnd, fast etwas stolz, geht er an Petrus vorbei. Pe\u00adtrus aber schweigt wei\u00adterhin und schaut ihn ernst et\u00adwas mit dem Kopf nic\u00adkend an und schlie\u00dft hinter ihm das Tor. Der Mensch wundert sich nun aber doch \u00fcber den schweigsamen T\u00fcrh\u00fcter. Un\u00adter die\u00adsen Ge\u00addan\u00adken be\u00adtrachtet er das Kreuz ge\u00adnauer. Es war das glei\u00adche Kreuz, da\u00df er mitge\u00adbracht hatte: Sein eige\u00adnes.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mein Schicksal und Ich<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn wir nicht bereit sind unser Schicksal mit je\u00admand anderem zu tau\u00adschen, dann m\u00fcssen wir wohl ein be\u00adsonderes unverwechselbares Ver\u00adh\u00e4ltnis zum Schicksal haben. Es ist wie ein Teil von uns selbst. Et\u00adwas, das uns in Si\u00adtua\u00adtionen f\u00fchrt, die zu Pr\u00fc\u00adfungen werden k\u00f6nnen und uns \u2013 ob durch Bestehen oder Scheitern \u2013 erziehen. Auch das Scheitern kann uns weiter helfen, wenn wir uns dadurch wahrhaftiger ken\u00adnen\u00adlernen, und wir die Kraft finden, uns um die Verwirk\u00adlichung des Menschenbildes zu bem\u00fchen, das wir als Ideal in uns tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder kommen wir zu weiteren Fra\u00adgen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wie zieht das Schicksal die Ereig\u00adnisse her\u00adbei?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013<em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/em>Wie wei\u00df das Schicksal, was f\u00fcr mich gut ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen sehen, ob sich beide Fra\u00adgen durch Be\u00adobach\u00adtungen im Alltag beant\u00adwor\u00adten lassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00abTechnik\u00bb des Schicksals<\/h2>\n\n\n\n<p>Betrachten wir zwei Lebenssituatio\u00adnen, die \u2013 leider \u2013 recht oft vorkom\u00admen:<\/p>\n\n\n\n<p>Mir ist es h\u00e4ufig passiert, da\u00df ich eines Ta\u00adges von je\u00admanden angesprochen wurde: \u00abMein Lie\u00adber: Ent\u00adschuldi\u00adgung, aber du soll\u00adtest endlich damit aufh\u00f6ren, da\u00df du im\u00admer \u2026\u00bb und nun kommt eine Eigenschaft, die ich mir tats\u00e4chlich abgew\u00f6h\u00adnen sollte. Das \u00dcber\u00adra\u00adschende ist aber, da\u00df am gleichen Tag, mit fast den glei\u00adchen Wor\u00adten mich auch noch ein Ande\u00adrer an\u00adspricht und mich auf den glei\u00adchen Fehler hin\u00adweist. Die Bei\u00adden kannten sich jedoch nicht. Sie hatten sich also nicht verabredet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wie kann es zu diesen nicht so seltenen Zu\u00adsammentreffen kom\u00admen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin mit jemandem im Ge\u00adspr\u00e4ch und lasse ganz beil\u00e4ufig eine Bemer\u00adkung fal\u00adlen, von der ich dann aber feststellen muss, da\u00df sie meinen Ge\u00adspr\u00e4chspartner zu\u00adtiefst verletzt. Ich ahnte gar nicht, das ich ihn damit der\u00adart tref\u00adfen w\u00fcrde. Ich h\u00e4tte es ihm doch sonst nicht gesagt! Alle Versu\u00adche, es wieder gutzuma\u00adchen, schla\u00adgen ziemlich fehl: Er ist ge\u00adtroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wie kann das sein, da\u00df ich meinen Gespr\u00e4ch\u00adspartner derart verletze, obwohl ich ihn doch gar nicht gut kenne?<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich einen \u00abPro\u00adbege\u00addanken\u00bb anbieten, einen Ge\u00addan\u00adken, den man auf die Probe stellen m\u00f6ge, ob er zutrifft. Kann er Klarheit in das ei\u00adgene Leben bringen? Dann kann man ihn sicher weiter pr\u00fcfen.&nbsp; Er sei in folgende Fragen gekleidet:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; K\u00f6nnte es sein, da\u00df ich gew\u00f6hnlich von mir nur im Be\u00adwu\u00dftsein habe, was in mei\u00adnem Leib steckt, \u2013 da\u00df das aber noch nicht alles ist?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; K\u00f6nnte es nicht sein, da\u00df ein Teil von mir auch ausser\u00adhalb meines Leibes in mei\u00adner Umgebung lebt? (Las\u00adsen wir zun\u00e4chst noch ganz offen, wie wir den Teil nen\u00adnen wollen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dieser Voraussetzung k\u00f6nnte man die bei\u00adden eben be\u00adschriebenen Situatio\u00adnen so ver\u00adste\u00adhen: Ich \u2013 in einem un\u00adbewu\u00dften Teil \u2013 bin es selbst, der sich mit Hilfe der beiden anderen Men\u00adschen die Verhaltenskorrektur zu\u00adf\u00fcgt. Und umge\u00adkehrt, der an\u00addere braucht mich, um sich etwas klar zu ma\u00adchen; da es stimmt, was er sich mit meiner Hilfe selbst sagt, f\u00fchlt er sich&nbsp; so getroffen, und ist mir des\u00adhalb oft be\u00adson\u00adders b\u00f6se, weil er meint, ich wollte ihn verletzen. Es k\u00f6nnte also sein, da\u00df wir nur zum Teil ein Bewu\u00dftsein von uns selbst haben:&nbsp;<em>Der andere Teil lebt in unserer \u00adUmge\u00adbung und zieht die Er\u00adeignisse her\u00adbei, die uns treffen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die nebens\u00e4chlichen Ereignisse des All\u00adtags zei\u00adgen, da\u00df ich mich beson\u00adders \u00fcber das am Ande\u00adren \u00e4r\u00adgere, was ich bei mir selbst noch nicht in Ordnung ge\u00adbracht habe. Da wo ich et\u00adwas bei mir selbst geordnet&nbsp; habe, da werde ich An\u00adde\u00adren ge\u00adgen\u00fcber wieder gro\u00dfz\u00fcgig: Ich wei\u00df nun wie schwer es ist, diesen Fehler zu \u00fcberwin\u00adden. Aber da, wo mir das noch nicht gelungen ist: oh, der arme Betrof\u00adfene, er be\u00adkommt den \u00c4rger, den ich eigent\u00adlich \u00fcber mich habe, noch gleich mit ab! (Deshalb habe ich mir zur Regel ge\u00admacht: Wenn ich mich \u00fcber irgend et\u00adwas au\u00ad\u00dferge\u00adw\u00f6hn\u00adlich aufrege, mich zu fra\u00adgen, ob ich mich nicht besser in die\u00adser Sache \u00fcber&nbsp;<em>mich<\/em>&nbsp;aufregen sollte.) \u00dcberhaupt kann die Frage, warum pas\u00adsiert ge\u00adrade&nbsp;<em>mir<\/em>&nbsp;das, sehr fruchtbar f\u00fcr die Selbsterkenntnis werden. Insbeson\u00addere in Situationen, in denen man ob\u00adjek\u00adtiv ungerecht behandelt wird. Sagen wir etwa, man wird belogen. Na\u00adt\u00fcrlich mu\u00df man der L\u00fcge ent\u00adgegentreten und sie kor\u00adrigieren usw. Aber ge\u00adrade da kann man sich doch fra\u00adgen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Warum trifft es ge\u00adrade mich?<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Was will mir das sagen?<\/p>\n\n\n\n<p>Auf diese Weise kann man eine Art partner\u00adschaftli\u00adches Verh\u00e4ltnis zu sei\u00adnem Schicksal gewinnen. Es ist wie ein Gespr\u00e4ch zwi\u00adschen Lehrer und Sch\u00fc\u00adler. Der Leh\u00adrer handelt zwar (die Ereignisse tre\u00adten ein), er ant\u00adwortet mir aber nur, wenn ich ihm Fragen stelle. Und wenn es mir gelingt, \u2013 fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u2013 durch sol\u00adches Fra\u00adgen mich an den Sinn eines Er\u00adeignisses heranzuta\u00adsten, dann wird dieses Ge\u00adspr\u00e4ch immer in\u00adtensiver.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch das Gegenteil ist m\u00f6glich: Ich kann mich ge\u00adgen mein Schicksal bet\u00e4u\u00adben. Eine grobe Form der Be\u00adt\u00e4u\u00adbung ist die Droge (Alkohol, Rauschmittel, Fern\u00adse\u00adhen) viel ge\u00adf\u00e4hrli\u00adcher aber ist die Bet\u00e4ubung, wenn ich meine: Hier liegt ein Irrtum des Schick\u00adsals vor, dies Ereignis trifft den Falschen! Ich will an die\u00adser Stelle nicht behaup\u00adten, da\u00df eine solche Situa\u00adtion nie eintre\u00adten kann \u2013 wer kann das schon sa\u00adgen? Aber wenn ich mir das einwenden will, sollte ich sehr auf der Hut sein: Gerade dies Geschehen k\u00f6nnte doch be\u00adsonders f\u00fcr&nbsp;<em>mich<\/em>&nbsp;be\u00adstimmt sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Woher wei\u00df das Schicksal,<br \/>was f\u00fcr mich gut ist?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn ich an meine Klassenkamara\u00adden zu\u00adr\u00fcck\u00addenke, oder auch an Freunde aus der Kind\u00adheit und der sp\u00e4\u00adteren Zeit, insbesondere solche, mit denen ich gut zusam\u00admenar\u00adbeiten konnte, so w\u00fcrde ich gern diese Men\u00adschen wieder\u00adtreffen, um zu schauen, wo sie heute stehen und \u2013 wenn m\u00f6glich \u2013 mit ihnen wei\u00adterarbei\u00adten. Aber die Le\u00adbens\u00adwege haben sich ge\u00adtrennt. Ich bin aus der Heimatstadt weggezo\u00adgen und habe den Kontakt verloren. Trotzdem bleibt eine Sehn\u00adsucht, ir\u00adgendwie am Begon\u00adnenen weiter\u00adzuarbei\u00adten, be\u00adste\u00adhen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch zu Menschen, an denen wir schul\u00addig wer\u00adden, kann eine solche Sehn\u00adsucht entste\u00adhen: Neh\u00admen wir an, je\u00admand ist f\u00fcr einen Mo\u00adment im Ver\u00adkehr unauf\u00admerk\u00adsam und \u00fcberf\u00e4hrt einen an\u00adderen. Dieser stirbt an den Folgen sei\u00adner Verletzung. Wenn dieser Autofahrer nun kein ober\u00adfl\u00e4chli\u00adcher Mensch ist, so kann er starke Schuldgef\u00fchle bekom\u00admen. Es kann sich der starke Wunsch entfalten, das ir\u00adgendwie wie\u00adder gut zu ma\u00adchen. Aber wie soll er?<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Jahren fuhr ich mit meiner Frau von Konstanz nach einem Vortrag nach Hause. Es war im Winter bei ein\u00adsetzendem Schneetrei\u00adben, da sahen wir auf der anderen Strassen\u00adseite ein Auto \u2013 Warnblinker in Betrieb \u2013 mit vier, bei der n\u00e4chtlichen Beleuchtung, finsteren Gestal\u00adten. Obwohl meine Frau sagte: Du, die sehen unheim\u00adlich aus, hielt ich an und erkun\u00addigte mich, was denn sei. Die Vermutung war: Kein Benzin. Ich holte also mei\u00adnen Reser\u00adveka\u00adnister heraus setzte den Einf\u00fcllstutzen auf und f\u00fcllte ein\u2026 Die \u00abfinsteren Ge\u00adstal\u00adten\u00bb, die bei ge\u00adnauerem Hinse\u00adhen ganz nett waren, bestanden darauf, da\u00df ich 5 SFr. f\u00fcr die 5 Liter Benzin nehme. Als der Wa\u00adgen dann immer noch nicht an\u00adsprang, empfahl ich, die Z\u00fcnd\u00adkerzen zu \u00fcber\u00adpr\u00fc\u00adfen; ich m\u00fcsse jetzt je\u00addoch wieder weiter, es seien noch 200 Km zu fah\u00adren. Im R\u00fcckspiegel sah ich, wie sie ihr Auto in den n\u00e4ch\u00adsten Ort schie\u00adben mu\u00dften. In der n\u00e4ch\u00adsten Woche sagte mir meine Frau nach dem Tan\u00adken: \u00abDer Reser\u00advekanister war \u00fcbri\u00adgens voll!\u00bb Das durfte doch nicht wahr sein: Ich hatte eine Gummi\u00addich\u00adtung beim Einf\u00fcl\u00adlen \u00fcber\u00adsehen, da\u00addurch hatten die Vier nicht nur kein Ben\u00adzin erhal\u00adten, son\u00addern ga\u00adben mir noch 5 SFr. daf\u00fcr, da\u00df sie ihren Wagen in den n\u00e4chsten Ort schieben mu\u00df\u00adten\u2026 Das w\u00fcrde ich gern in Ordnung bringen. Aber wie soll ich sie wiederfin\u00adden? (Vielleicht liest ja einer von ihnen dies B\u00fcch\u00adlein.)<\/p>\n\n\n\n<p>Solchen Stimmungen kann man im\u00admer h\u00e4ufi\u00adger be\u00adgeg\u00adnen, wenn man dar\u00adauf zu ach\u00adten beginnt. Schon w\u00e4hrend des Lebens findet man in sich Anla\u00adgen, mit anderen Men\u00adschen wieder zu\u00adsam\u00admen zu kommen. Wir wollen nun nach einer Zwischenbe\u00adtrachtrung se\u00adhen, wie sich diese Sehn\u00adsucht nach dem Tode aus\u00adnimmt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir begannen damit, uns auszutau\u00adschen \u00fcber die Frage: Was passiert, wenn man das Tor des Todes und das Tor der Geburt zuschl\u00e4gt. Und eine Antwort war, da\u00df das Leben sinnlos und un\u00adgerecht wird. Damit das nicht die einzig m\u00f6g\u00adliche Lebens\u00adan\u00adschau\u00adung bleibt, haben wir dann gemeinsam be\u00adgon\u00adnen, ver\u00adschie\u00addene Er\u00adleb\u00adnisse zu betrach\u00adten.<\/p>\n\n\n\n<p>So kann man nun Erlebnisse finden, von denen man sa\u00adgen kann: \u00abBitte nicht noch einmal, aber es war doch gut, da\u00df es passiert ist. Ich w\u00e4re sonst nicht der der ich jetzt bin. Und was das Er\u00adlebnis aus mir ge\u00admacht hat, das kann ich be\u00adjahen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter scheint es auch, als ob wir unsere Schick\u00adsal\u00adser\u00adeig\u00adnisse (unbe\u00adwu\u00dft) aufsu\u00adchen, als ob wir gar man\u00adches \u2013 ohne das ganz zu wissen \u2013 in Be\u00adwegung set\u00adzen, um an die Stelle zu kommen, wo es dann \u00abpassiert\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Es entstand dann die Frage, ob man sein Schicksal mit dem eines Anderen tau\u00adschen w\u00fcr\u00adden. Es zweigt sich, da\u00df diese Frage normalerweise verneint wird. Das aber hei\u00dft: Wir und unser Schick\u00adsal geh\u00f6\u00adren un\u00adtrennbar zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Art, wie Schicksal sich voll\u00adzieht, ver\u00adstehen zu ler\u00adnen, haben wir zwei Ge\u00adspr\u00e4chssi\u00adtua\u00adtionen be\u00adtrachtet, aus denen sich ergab: Wir leben bewu\u00dft innerhalb un\u00adserer Haut, aber gleichzei\u00adtig un\u00adbewu\u00dft auch in den an\u00adderen Men\u00adschen. Wir verst\u00e4ndigen uns mit uns selbst durch ihre Hilfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe, Sie k\u00f6nnen sehen, da\u00df wir an dem Voll\u00adzug un\u00adseres Schicksals vielmehr betei\u00adligt sind, als das zun\u00e4chst schien. Ja, ich gehe so\u00adgar so\u00adweit, zu sagen, da\u00df wir da, wo wir eine Be\u00adtei\u00adli\u00adgung \u2013 im weitesten Sinne \u2013 ablehnen, wir uns ge\u00adgen unser Schicksal bet\u00e4u\u00adben und uns blinder ma\u00adchen als wir sind!<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter allem steht aber die schon mehrfach ge\u00adstellte Frage: Woher wei\u00df das Schicksal, was f\u00fcr mich gut ist? Diese Frage l\u00e4\u00dft sich nur be\u00adantworten, wenn wir un\u00adsere Betrachtung \u00fcber den Tod hinaus anstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die nachtodlichen Ereignisse besser be\u00adschrei\u00adben zu k\u00f6nnen, habe ich noch einige See\u00adlenstimmun\u00adgen ange\u00addeutet: Das Bed\u00fcrfnis mit Menschen wieder zusam\u00admen zu kommen, mit denen man etwas zu tun hatte, im Sin\u00adne sowohl eines fruchtbaren Zu\u00adsammenarbei\u00adtens als auch eines Wie\u00addergutmachens.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Zug\u00e4nge gibt es<br \/>zum Leben nach dem Tod ?<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gibt ganz verschiedene Zug\u00e4nge zum Leben nach dem Tod:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Zu\u00adgang, den jeder ir\u00adgendwann haben wird, wenn er stirbt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Be\u00adschrei\u00adbungen de\u00adrer, die be\u00adreits klinisch tot waren und reani\u00admiert wur\u00adden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Zugang mit den Hilfsmitteln der Hypnose<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der gei\u00adsteswissen\u00adschaftliche Zu\u00adgang dadurch, das man seine F\u00e4\u00adhig\u00adkeiten schult, Geisti\u00adges wahr\u00adzuneh\u00admen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der indi\u00adrek\u00adte Zu\u00adgang, der f\u00fcr jeden Men\u00adschen gangbar ist, wenn er be\u00adreit ist, die Erfahrun\u00adgen des All\u00adtags im Lichte der Er\u00adgebnisse der gei\u00adsteswis\u00adsenschaftli\u00adchen Forschun\u00adgen zu betrach\u00adten.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier versuchen wir diesen letzteren Weg, ein St\u00fcck zu gehen. Die beschriebenen Er\u00adfahrungen k\u00f6nnen uns auf \u00dcber\u00adsinnliches hinwei\u00adsen. Wenn ich nun dazu \u00fcber\u00adgehe, dieses \u00dcberinnliche selbst zu beschreiben, so tue ich das in der Hoff\u00adnung, da\u00df man diese Skizzen als Ange\u00adbote auf\u00adfa\u00dft, sein Leben unter solchen Ge\u00adsichtspunk\u00adten zu be\u00adtrachten und zu pr\u00fcfen, ob sich diese Ge\u00adsichtspunkte im eige\u00adnen Le\u00adben als fruchtbar und ordnend erwei\u00adsen, oder ob sie eher das Leben als chao\u00adtisch oder welt\u00adfremd darstel\u00adlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine gro\u00dfe Hilfe im Beschreiben dieses Weges sind die Forschungen Ru\u00addolf Steiners (1861\u20131925), dem Begr\u00fcn\u00adder der An\u00adthropo\u00adsophie. Ihm ver\u00addanken wir Ein\u00adsich\u00adten in die \u00fcbersinnli\u00adche Welt und damit die Kenntnis der gei\u00adsteswissen\u00adschaftlichen Hintergr\u00fcnde (vgl. seine B\u00fc\u00adcher im Literaturverzeichnis S. 15), und eine ge\u00adnaue Be\u00adschrei\u00adbung, wie man diese Einsichten ge\u00adwinnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dieser Zusammenfassung k\u00f6n\u00adnen wir nun den beschrittenen Weg fortsetzen und uns der Zeit nach dem Tode zuwenden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schlaf und Tod<\/h2>\n\n\n\n<p>Zwischen Schlaf und Tod gibt es manche Verwandtschaften. So wird auch gesagt:&nbsp;<em>Der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was kann damit gemeint sein? Be\u00adtrachten wir den Schlaf: Tags\u00fcber ge\u00adhen wir un\u00adserem Tage\u00adwerk nach und verbrauchen unsere Kr\u00e4fte. Wir legen uns abends ermat\u00adtet nieder und ver\u00adlie\u00adren das (Tages)-Bewu\u00dft\u00adsein: wir schla\u00adfen ein. Am Morgen wa\u00adchen wir durch den Schlaf \u2013 mehr oder weniger \u2013 er\u00adquickt wieder auf und setzen unser Ta\u00adge\u00adwerk mit neuen Kr\u00e4ften dort fort, wo wir es am Vor\u00adtage un\u00adterbrochen ha\u00adben.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch im ganzen Leben arbeiten wir an unse\u00adren Auf\u00adga\u00adben und verbrauchen unsere Kr\u00e4fte. Im Alter sind wir davon erm\u00fcdet; wir sterben und verlieren das Tages-Bewu\u00dft\u00adsein. Nun verbrin\u00adgen wir eine Zeit zwi\u00adschen Tod und neuer Ge\u00adburt, in der wir unsere Lebens- und Schicksalskr\u00e4fte erneu\u00adern, um dann mit einer neuen Geburt wiederum ver\u00adj\u00fcngt da fortzusetzen, wo wir fr\u00fcher aufge\u00adh\u00f6rt haben. Allerdings fehlt uns zun\u00e4chst im Ge\u00adgensatz zum Schlaf die be\u00adwu\u00dfte Erinnerung an das Begonnene.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Zeit zwischen Tod und neuer Geburt l\u00e4\u00dft sich nun \u2013 auf der Grund\u00adlage der Forschungen Ru\u00addolf Stei\u00adners \u2013 wie folgt skizzieren:<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ein Mensch \u00fcber die Schwelle des To\u00addes ge\u00adgangen ist, hat er \u2013 etwa so lange, wie man un\u00adunter\u00adbrochen wach sein kann, ca. 3 Tage \u2013 sein gan\u00adzes Le\u00adben wie ein Panorama in Bildern um sich. Et\u00adwas, das auch von Men\u00adschen berich\u00adtet wird, die pl\u00f6tz\u00adlich, z.B. durch einen Absturz im Gebirge, an die To\u00addesschwelle kamen. Nach die\u00adser Zeit, nach der dann auch die Be\u00adstattung statt\u00adfindet, lebt der Mensch nun eine Zeit lang (etwa solange wie er im Leben geschla\u00adfen hat, ca. 1\/3 der Lebenszeit) in ei\u00adnem Bewusst\u00adsein, das ge\u00adrade die Umkehrung seines gew\u00f6hnlichen Be\u00adwu\u00dftseins ist. Im normalen Leben loka\u00adlisieren wir uns in\u00adnerhalb unserer Haut, aber&nbsp; nicht in un\u00adserer Um\u00adge\u00adbung. Wir haben aber schon gese\u00adhen, da\u00df wir auch ausserhalb unse\u00adrer Haut im Schicksalsvollzug leben, allerdings ohne (gew\u00f6hnliches) Bewu\u00dftsein (s. S. 5). In der zweiten Phase nach dem Tode, sie wird auch \u201aKa\u00admaloka\u2018 oder im katho\u00adlischen Be\u00adreich: \u201aFege\u00adfeuer\u2018 ge\u00adnannt, erwacht der Mensch nun in dem Bewu\u00dft\u00adsein, das zu Leb\u00adzei\u00adten f\u00fcr ihn unbe\u00adwu\u00dft geblie\u00adben ist. Jetzt erf\u00e4hrt er seinen Leib (genauer: dessen geistiges Bild) als Aussenwelt und die Umge\u00adbung seines Lei\u00adbes als Innen\u00adwelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit erlebt er nun r\u00fcckw\u00e4rts alles, was er w\u00e4h\u00adrend des Lebens getan und gelas\u00adsen hat, aber so, da\u00df er jetzt der Empf\u00e4nger seiner irdi\u00adschen Taten wird. Etwas derb gesagt: Die Wir\u00adkung der Ohrfeige, die er im irdi\u00adschen Leben ei\u00adnem Anderen ver\u00adab\u00adreichte, erleidet er nun selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat f\u00fcr den Menschen nach dem Tod sehr tief\u00adgreifende Fol\u00adgen: Im Angesicht hoher geistiger Wesenhei\u00adten er\u00adlebt er, wie er war \u2013 und wie er h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Es ist wohl nicht so, da\u00df vor dem Menschen ein strafen\u00adder Gott steht, der ihm sein S\u00fcn\u00adden\u00adregister vorliest. Es ist \u2013 in ge\u00adwissem Sinne \u2013 viel schlim\u00admer: Der Mensch ist es selbst, der sich im An\u00adge\u00adsicht der Gottheit beur\u00adteilt und richtet.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr denjenigen, f\u00fcr den das Christen\u00adtum Bedeu\u00adtung hat, kann man auch sa\u00adgen: Im mil\u00adden Blick des Christus rich\u00adtet sich der Mensch selbst, in\u00addem er an diesem Mensch\u00adheits\u00adrepr\u00e4sentanten sieht, wie sein Verhalten h\u00e4tte sein m\u00fcssen, da\u00admit er jetzt sich nicht sch\u00e4men muss, und \u2013 wie es tats\u00e4chlich war.<\/p>\n\n\n\n<p>Das l\u00f6st in seiner Seele das tiefe Be\u00add\u00fcrfnis aus: Das will ich besser machen! Aus diesen Er\u00adlebnissen entsteht im Laufe der Entwicklung zwischen Tod und neuer Geburt der starke Wunsch, sich wieder auf der Erde zu verk\u00f6r\u00adpern, mit gerade den Menschen zusammen, mit denen man zu tun hatte, um wie\u00adder gut zu ma\u00adchen, aber auch um weiterzu\u00adarbei\u00adten an der eigenen Ent\u00adwicklung und, wo m\u00f6g\u00adlich an der Men\u00adschheitskultur.<\/p>\n\n\n\n<p>So wird der Mensch selber Urheber seines Schick\u00adsals. Er gibt selbst die Vorgaben f\u00fcr die Er\u00adeignisse, die er im n\u00e4ch\u00adsten Leben suchen will. Selbstver\u00adst\u00e4nd\u00adlich geh\u00f6rt zur Aus\u00adgestaltung des Schicksals eine viel h\u00f6\u00adhere Weisheit, als uns Menschen m\u00f6g\u00adlich ist. Die An\u00adordnung und \u00abKoordination\u00bb der Schicksale der ver\u00adschiedenen Men\u00adschen einer Schick\u00adsalsge\u00admein\u00adschaft ob\u00adliegt nun hoch entwickelten geistigen Wesen. Wir Menschen h\u00e4tten z.B. gar nicht den \u00dcberblick, ge\u00adschweige denn die Kraft, die es zur Verwirkli\u00adchung der Schicksalsstr\u00f6me braucht. Aber es ist an uns, die Keim\u00adpunkte und Zielrich\u00adtungen zu setzen, an die die T\u00e4\u00adtig\u00adkeit h\u00f6\u00adherer Wesen ankn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wir unser Schicksal in diesem Sinne zwi\u00adschen Tod und neuer Geburt selbst bestimmen, wird zugleich auch verst\u00e4ndlich, warum wir ein so enges Ver\u00adh\u00e4ltnis zu ihm ha\u00adben und weshalb das Schicksal \u00abso ge\u00adnau wei\u00df\u00bb, was f\u00fcr uns gut ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es werden damit die Taten des letz\u00adten Le\u00adbens \u2013 im Guten wie im B\u00f6sen \u2013 die Keime f\u00fcr die Schicksal\u00adser\u00adeignisse des n\u00e4chsten Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht entsteht nun doch die Frage: Mu\u00df ich dar\u00fcber \u00fcberhaupt etwas wis\u00adsen?<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich ist das Le\u00adben doch bis\u00adher \u00fcber Jahr\u00adtau\u00adsende auch ohne die\u00adses Wis\u00adsen ausge\u00adkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wel\u00adche konkrete Hilfe in dem Wissen um wie\u00adderholte Er\u00addenle\u00adben liegen kann, m\u00f6chte ich Ihnen an einem Bei\u00adspiel demonstrie\u00adren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6nch und Ketzer<br \/>Ein Beispiel<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Mittelalter \u2013 noch vor der Scholastik \u2013 lebte ein M\u00f6nch und ein Ketzer. Der M\u00f6nch wurde auf\u00adgefor\u00addert, die ans\u00e4s\u00adsigen Bisch\u00f6fe durch seine Predigt zu unter\u00adst\u00fctzen, da er f\u00fcr seine Wort\u00adge\u00adwalt sehr be\u00adkannt war. So zog der M\u00f6nch in die Gegend des Ket\u00adzers, der schon eine an\u00adsehnli\u00adche Schar um sich ge\u00adsammelt hatte. Die Lehren des Ketzers waren aus der Sicht des M\u00f6n\u00adches gott\u00adlos: Sie leugne\u00adten die Not\u00adwendigkeit der Sakra\u00admente, den Sinn des alten Te\u00adsta\u00admentes und die Wirklichkeit des Kreuzes. Der Ket\u00adzer brand\u00admarkte die Verweltli\u00adchung der Kirche und sprach ihr jedes Recht ab, die Nachfolge des Pe\u00adtrus fortsetzen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr ihn war der Chri\u00adstus ein hohes Sonnenwe\u00adsen, das nie die Schmach eines Kreuzestodes auf sich genom\u00admen haben konnte. Er empfand das als ganz und gar got\u00adtun\u00adw\u00fcrdig. Er wollte mit seinen Gesin\u00adnungs\u00adbr\u00fcdern in m\u00f6g\u00adlichster Rein\u00adheit leben. Armut und Keuschheit wa\u00adren Grund\u00adpfeiler ihrer praktischen Lehre.<\/p>\n\n\n\n<p>Der M\u00f6nch seinerseits hat den Ketzer per\u00ads\u00f6n\u00adlich nie kennen gelernt, er hat den kirchli\u00adchen Be\u00adrichten \u00fcber ihn vertraut und dar\u00adauf hin begon\u00adnen, gegen ihn zu predigen. Etwa so: \u00abHier habe ich Brote, ich werde sie jetzt weihen, wenn die Kranken davon essen und gesund werden, dann sind die Lehren des Ketzers Irr\u00adleh\u00adren.\u00bb Ein dabei stehender Bischof wollte sicher\u00adheitshalber ein\u00adflechten: \u00abWenn die Kranken im Glau\u00adben essen.\u00bb \u2013 wohl um bei einem Schei\u00adtern dem M\u00f6nch das Ansehen zu wahren. Der aber wider\u00adsprach: \u00abNein, je\u00adder, der i\u00dft wird ge\u00adsund werden\u00bb. Die Wir\u00adkung war gewaltig. Die Leute bekehrten sich auch bevor die Menschen ge\u00adsund wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ketzer mu\u00dfte fliehen, wurde schlie\u00dflich aber doch gefangen genommen und verb\u00fc\u00dfte eine le\u00adbensl\u00e4ngliche Haft.<\/p>\n\n\n\n<p>Sieben Jahre nach dieser Zeit stirbt der M\u00f6nch und er\u00adlebt nun in der Zeit zwischen Tod und neuer Ge\u00adburt, da\u00df er durch seine Pre\u00addigten, den Ketzer an der Ver\u00adwirklichung seiner Ziele ge\u00adhindert hat. Die Ziele waren von den seinen gar nicht so verschieden. Und er erlebt auch, da\u00df er ihn be\u00adk\u00e4mpft hat, auf Grund von Darstel\u00adlungen, die nicht gen\u00fcgend der Wirklichkeit ent\u00adspra\u00adchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im n\u00e4chsten Leben treffen die beiden sich wieder. Der Ketzer ist jetzt als Frau verk\u00f6rpert, der M\u00f6nch nocheinmal als Mann. Sie tref\u00adfen sich in einem Be\u00adtrieb wieder, indem nun der Ketzer der Vorge\u00adsetzte des M\u00f6nches ist. Der M\u00f6nch hat das Anlie\u00adgen \u2013 als Folge seiner nachtodli\u00adchen Erlebnisse \u2013 al\u00adles zu tun, damit der Ketzer dies\u00admal seine Ziele er\u00adreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ehemalige Ketzer seinerseits begegnet dem ehemaligen M\u00f6nch mit ausge\u00adsprochener Zur\u00fcckhal\u00adtung, das lieb\u00adste w\u00e4re ihm gewe\u00adsen, der M\u00f6nch h\u00e4tte den Be\u00adtrieb nach kur\u00adzer Zeit wieder verlassen. Der aber blieb. und alles, was er f\u00fcr seine Vorge\u00adsetzte un\u00adternahm, be\u00adtrachtete diese so mi\u00dftrauisch, als ob es sich gegen sie richtete. Es kam, wie es in sol\u00adchen F\u00e4llen oft kommt: Die bei\u00adden hatten sich nach kurzer Zeit gr\u00fcndlich verkracht. Der M\u00f6nch war nicht bereit hinzunehmen, da\u00df ihm alles, was er f\u00fcr den Ket\u00adzer tat, ins Gegenteil verkehrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Da beide aber von der Tatsache der wie\u00adder\u00adholten Erden\u00adleben \u00fcberzeugt waren, bekam der M\u00f6nch nicht, wie man vielleicht erwar\u00adten k\u00f6nnte, eine K\u00fcn\u00addigung, sondern beide gingen davon aus, da\u00df sie hier eine gemeinsame Auf\u00adgabe h\u00e4t\u00adten, etwas aus der Vergan\u00adgenheit, das sie jedoch kaum ahnten, wieder in Ordnung zu bringen. So begann aus diesem Ent\u00adschlu\u00df eine mehr und mehr fruchtbar werdende Zu\u00adsam\u00admenarbeit der Beiden. Nach sieben Jahren starb diesmal der Ketzer.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Beispiel kann vielleicht deut\u00adlich machen, da\u00df schon das blosse Wis\u00adsen um die Tatsa\u00adche der wiederholten Erden\u00adleben lebensge\u00adstaltend den All\u00adtag pr\u00e4gen kann. Welche Perspekti\u00adven sich weiter daraus ergeben k\u00f6nnen, m\u00f6chte ich im zweiten Teil dieses B\u00fcch\u00adleins mit Ihnen betrach\u00adten.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Schlu\u00df des ersten Teiles soll ein Epi\u00adtaph bilden, das Benjamin Franklin, der Staatsmann und Erfinder des Blitzablei\u00adters, als drei\u00adund\u00adzwanzig-j\u00e4h\u00adri\u00adger, er war da\u00admals Buch\u00addrucker, als seine Grab\u00adsteininschrift dachte:<\/p>\n\n\n\n<p>Hier ruht der Leib des Buchdruckers<\/p>\n\n\n\n<p><em>Benjamin Franklin<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>als Speise f\u00fcr die W\u00fcrmer<br \/>gleich dem Deckel eines alten Buches,<br \/>aus dem der Inhalt herausgenommen<br \/>und das seiner Inschrift und Vergoldung be\u00adraubt ist.<br \/>Doch das Werk selbst wird nicht verlo\u00adren sein,<br \/>sondern dermalen einst wiedererschei\u00adnen<br \/>in einer neueren sch\u00f6neren Ausgabe,<br \/>durchgesehen und verbessert<br \/>durch den Verfasser.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Zweiter Teil<\/h1>\n\n\n\n<p>Im ersten Teil haben wir betrachtet, wie man in Erlebnissen des allt\u00e4glichen Lebens Erfahrungen aufsuchen kann, die auf die Wirklichkeit der wiederholten Erdenleben weisen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im folgenden zweiten Teil wird nun nicht mehr ein Thema entwickelt, sondern ich m\u00f6chte Fragen be\u00adhandeln, die mir immer wieder in \u00f6ffentlichen Veran\u00adstaltungen gestellt wurden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wiederverk\u00f6rperung und Bibel<\/h2>\n\n\n\n<p>Beginnen wir mit der Frage:<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Warum erz\u00e4hlt die Bi\u00adbel nichts von den wiederhol\u00adten Erdenle\u00adben?<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Frage stellte mir ein evan\u00adge\u00adli\u00adscher Pfarrer in einer Aussprache. Ich antwor\u00adtete ihm, da\u00df doch z.B. bei Matth\u00e4us (11,14) steht: \u00abUnd (so ihr\u2019s wollt anneh\u00admen) er (Johannes der T\u00e4u\u00adfer) ist Elia, der da soll zu\u00adk\u00fcnftig sein<em>.<\/em>\u00bb oder bei der Verkl\u00e4\u00adrung auf dem Berge (Matth. 17,10\u201313): \u00abWas sagen denn die Schriftgelehr\u00adten, Elia m\u00fcsse zuvor kommen? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia soll ja zuvor \u00adkommen und alles zurecht\u00adbringen. Doch ich sage euch: Es ist Elia schon ge\u00adkommen, und sie ha\u00adben ihn nicht erkannt, sondern sie haben an ihm getan, was sie wollten\u2026 Da ver\u00adstan\u00adden die J\u00fcnger, da\u00df er von Jo\u00adhannes dem T\u00e4ufer zu ih\u00adnen geredet hatte.\u00bb Nun hat sich Rudolf Steiner&nbsp; mit dieser Frage besch\u00e4ftigt, und auf\u00adgrund seiner \u00fcber\u00adsinnlichen For\u00adschun\u00adgen best\u00e4tigt, da\u00df in Elias und in Jo\u00adhannes die gleiche Indivi\u00addualit\u00e4t lebt. Die Antwort des Pfarrers: \u00abDas ist nicht so verwunder\u00adlich, denn Elia ist nicht gestorben, son\u00addern entr\u00fcckt wor\u00adden, damit kann er auch wieder\u00adkehren.\u00bb Tats\u00e4ch\u00adlich sind die letzten Worte des alten Testamentes (Mal. 3,23\u201324) die Ver\u00adk\u00fcndigung der Wiederkunft Elias, und bei den K\u00f6nigen (2 K\u00f6n 2,11) wird geschildert, wie Elia in einem feurigen Wagen entr\u00fcckt wird. Es werden so\u00adgar M\u00e4nner ausge\u00adsandt, die seinen Leich\u00adnam su\u00adchen sollen. Sie finden ihn aber nicht\u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zwar noch weitere Andeu\u00adtungen im neuen Testament auf die Wiederver\u00adk\u00f6r\u00adperung, aber sie sind noch weniger eindeutig. Des\u00adhalb kann man durchaus sagen: in der Bibel findet sich kein \u00fcberzeugender Hinweis auf die wiederhol\u00adten Er\u00addenleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegenteil: Im 9. Kapitel des He\u00adbr\u00e4erbriefes entwickelt Paulus die Ein\u00admaligkeit des Todes und der Auferste\u00adhung des Christus \u2013 eine Darstellung die mit der An\u00adschauung der wiederhol\u00adten Erden\u00adleben in vollem Einklang steht: Der Tod des Chri\u00adstus auf Gol\u00adga\u00adtha war ein einmaliges Ereignis. In Je\u00adsus verk\u00f6r\u00adperte sich der Christus als Sohn Gottes nur dieses eine Mal, nicht vorher und nicht sp\u00e4ter. Aber Paulus schreibt dann&nbsp; weiter: (Heb. 9,27) \u00abUnd wie es dem Menschen gesetzt ist, ein\u00admal zu sterben, dann aber das Gericht: so ist Christus einmal geopfert, wegzu\u00adnehmen vieler S\u00fcnden; als zweites wird er ohne S\u00fcnde erscheinen denen, die ihm nachfolgen, zur Erl\u00f6\u00adsung.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Hier gibt es zwei M\u00f6glichkeiten des Verst\u00e4nd\u00adnis\u00adses: Der Mensch lebt \u2013 wie der Christus \u2013 nur ein ein\u00adziges Mal auf der Erde und wartet dann im Himmel auf das Ge\u00adricht. Ein ganz naheliegen\u00addes Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Boden der Wiederverk\u00f6rpe\u00adrung und der Betrachtung des Lebens nach dem Tode er\u00adgibt sich aber noch eine weitere M\u00f6glichkeit. Das Gericht folgt nach&nbsp;<em>je\u00addem<\/em>&nbsp;Sterben: Man stirbt nicht mehrmals, und dann kommt schliesslich das Ge\u00adricht, sondern jedes Leben wird im Anschlu\u00df an den Tod ge\u00adrichtet, ganz in dem Sinne, wie es im ersten Teil beschrieben ist: Im Blick auf den Christus erlebt man an seinen Ta\u00adten, wie man h\u00e4tte sein k\u00f6n\u00adnen, und wie man ta\u00adt\u00e4chlich war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Warum aber schweigt die Bibel so gr\u00fcnd\u00adlich \u00fcber die wiederholten Er\u00adden\u00adleben?<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ein berechtigter Ein\u00adwand, den ein ka\u00adtholi\u00adscher Geistlicher in seinem Vor\u00adtrag \u00fcber Wie\u00adder\u00adver\u00adk\u00f6r\u00adperung machte: \u00abDie Lehre von den wiederhol\u00adten Erdenle\u00adben ist auch des\u00adhalb un\u00adchristlich, weil sie die\u00adses, mein jetziges, einmaliges, beson\u00adderes Le\u00adben entwer\u00adtet, indem es blo\u00df noch ei\u00adnes unter vielen wird. Ich br\u00e4uchte dann mein jet\u00adziges Le\u00adben gar nicht ernst zu nehmen, wenn ich noch viele andere durchma\u00adchen mu\u00df.\u00bb Und diese Ar\u00adgu\u00admentation kann man sogar noch weiter f\u00fch\u00adren: Der Mensch h\u00e4tte sich nie so sehr als Ein\u00adzelner erlebt, wenn er sein Leben nicht zwi\u00adschen Geburt und Tod be\u00adgrenzt er\u00adlebt h\u00e4tte. Sind wir doch da\u00addurch erst als Menschen zu Ein\u00adzelper\u00ads\u00f6n\u00adlichkeiten er\u00adwacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im fernen Osten, etwa im Buddhis\u00admus, ist das Wis\u00adsen um die wiederhol\u00adten Er\u00adden\u00adleben er\u00adhalten geblie\u00adben, aber daf\u00fcr hat dort nicht diese Pers\u00f6n\u00adlich\u00adkeitsentwick\u00adlung zum Ein\u00adzelmensch stattgefunden. Damit ist die Einsamkeit der Menschen durch die abendl\u00e4ndi\u00adsche Kultur eine viel gr\u00f6ssere als in der morgenl\u00e4ndischen geworden. Wir erle\u00adben uns doch mehr und mehr isoliert von allen anderen Menschen. Extrem kann man diese Isolation erleben, wenn man schwer krank ist, oder wenn man gar glaubt, sterben zu m\u00fcssen. (\u00abJeder stirbt seinen Tod allein.\u00bb)<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Isolation hat aber auch eine gute Seite: So haben wir uns zur Frei\u00adheit ent\u00adwic\u00adkeln k\u00f6nnen. Denn Freiheit entsteht nicht da, wo Menschen in ihrer Umge\u00adbung ganz geborgen leben. Ge\u00adborgenheit ist eine gute Vorbe\u00addingung um geistig gesund zu sein. Er\u00adwa\u00adchen aber kann man nur an einem Hinder\u00adnis, das einen von den Ande\u00adren trennt. Nur so findet man sich selbst und damit den Weg zur Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr einen weiteren Zugang zu dieser Frage sei hier eine kleine Betrachtung \u00fcber drei Bilder der Bibel eingef\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Garten \u2013 die W\u00fcste \u2013 die Stadt<\/h2>\n\n\n\n<p>Am Anfang der Bibel steht der Gar\u00adten, das Pa\u00adra\u00addies, in dem die Menschen noch gar nicht von ihrer Umgebung ge\u00adtrennt leben: Erst nach dem S\u00fcndenfall merken Adam und Eva, da\u00df sie nackt sind. Waren sie das vorher auch und haben es nicht gemerkt? Nein: sie waren mit dem ganzen Garten bekleidet. Der ganze Gar\u00adten war ihre H\u00fclle.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun tratt aber die Schlange auf und verspricht Eva zwei Dinge:&nbsp;<em>Ihr werdet sein wie Gott&nbsp;<\/em>\u2013 und:&nbsp;<em>Ihr werdet wissen von Gut und B\u00f6se.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Hat die Schlange Eva be\u00adlogen?<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem also Eva und Adam vom Baum der Er\u00adkenntnis gegessen haben, werden sie vom Baum des Lebens ge\u00adtrennt. Aber sie beginnen wacher zu wer\u00adden: Sie emp\u00adfinden sich h\u00fcllenlos, nackt, und weiter entdecken sie, da\u00df sie Gottes Gebot \u00fcbertre\u00adten ha\u00adben: Sie tre\u00adten ein in die Welt von Gut und hier be\u00adson\u00adders von B\u00f6se.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit verwirklicht sich die zweite Prophezei\u00adhung der Schlange: \u00ab\u2026 und wissen von Gut und B\u00f6se\u00bb (1.Mose 3,5). Aber als Folge davon beginnt nun das Bild der W\u00fcste f\u00fcr die Menscheitsent\u00adwick\u00adlung bestimmend zu werden: Jeder wird mehr und mehr Kenner von Gut und B\u00f6se, aber um den Preis, das wir unsere Welt verw\u00fcsten. Diese Entwicklung f\u00fchrt den Menschen in die Isolation. er trennt sich von allen anderen und wird \u00abEinsiedler\u00bb. Gleichzeitig aber w\u00e4chst auch die Sehnsucht nach dem anderen Menschen. Diese Sehnsucht ist immer schwieriger zu erf\u00fcllen, weil auch die F\u00e4higkeit, Erfahrungen zu machen, mehr und mehr verloren geht: Abstraktion von allem wird das unwilk\u00fcrliche Entwicklungsmotiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie aber steht es mit der ersten Prophezei\u00adhung \u2013&nbsp;<em>Sein wie Gott<\/em>? Hier steht nun in der Bibel das dritte Bild: Die Stadt \u2013 das neue Jerusalem. War der Garten von Gott geschaffen und dem Menschen geschenkt, so ist die W\u00fcste durch den Menschen entstanden, aber er hat die W\u00fcste nicht gewollt. Den\u00adnoch kann er in ihr reif werden, um nach seiner Einsicht zu han\u00addeln. Damit tritt er aber in das Reich der Freiheit ein: Man handelt nicht mehr, weil&nbsp; Gesetze dies oder jenes vor\u00adschreiben, son\u00addern weil man die Not\u00adwendigkeit seines Tuns einsie\u00adht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist ganz im paulinischen Sinne gemeint: Das Gesetz ist von \u00dcbel (R\u00f6m. 7,9): Wir suchen heute keine Gebote, die wir aus Tradition einhalten sollen. Viel\u00admehr tra\u00adgen wir die Richt\u00adschnur unseres Han\u00addelns in uns: Durch das My\u00adsterium von Golgatha k\u00f6nnen wir in uns den Chri\u00adstus finden und mit ihm im Ein\u00adklang han\u00addeln. (In die\u00adsem Sinne ist Paulus der er\u00adste und bedeu\u00adtendste An\u00adarchist). Indem wir be\u00adginnen so zu handeln, erf\u00fcllt sich die erste Prophe\u00adzei\u00adhung der Schlange: Ihr werdet sein wie Gott. Denn da, wo der Mensch sch\u00f6pferisch han\u00addelt, entfaltet er sein g\u00f6ttliches We\u00adsen. (Allerdings ist wohl auch deutlich, da\u00df wir bis\u00adher noch keine sehr be\u00addeu\u00adtenden G\u00f6tter sind. Aber den Weg dahin k\u00f6nnen wir alle gehen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Das sind die Quellen aus denen die Stadt gebaut wird: Hier wirken Men\u00adschen aus freiem Entschlu\u00df zu\u00adsammen, um nach g\u00f6ttli\u00adchem Plan die Stadt auf der Erde zu verwirkli\u00adchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wir im Gang durch die W\u00fcste wirklich frei werden k\u00f6nnen, mu\u00dfte das Wissen um die wie\u00adderholten Erdenleben verschwinden.&nbsp; Das ist auch der Grund, wes\u00adhalb davon nichts in der Bibel zu finden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Aber warum soll gerade jetzt diese Lehre wieder in den Vordergrund treten?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir den Zu\u00adstand der abend\u00adl\u00e4ndischen Menschheit be\u00adtrachten, dann zeigt sich, da\u00df die Ent\u00adwicklung zu einer Per\u00f6nlichkeit, die sich von allen Bin\u00addungen be\u00adfreit, in der Gefahr steht, da\u00df der Einzelne das Ver\u00adh\u00e4ltnis zur Welt und zu den an\u00adderen Menschen verliert, da\u00df wir uns in der W\u00fcste v\u00f6llig verir\u00adren. Der einseitige Blick auf das Materielle der Sinnes\u00adwelt (z.B. in der Naturwissenschaft) hat dazu ge\u00adf\u00fchrt, da\u00df der Mensch in der Welt nur noch als St\u00f6rfaktor vorkommt. Denn das heutige Wissenschaftsideal ist noch der unbetei\u00adligte Beobachter. Er will sich nicht mit dem Geschehen verbinden, sondern aus der Distanz (Abstraktion) Fakten sammeln. Dabei gewinnt er die Macht der Technik und verliert sein seelisches Verh\u00e4ltnis zu dem, was er tut. Sein Handeln (und Erkennen) ist nicht mehr naturgem\u00e4\u00df, sondern nur noch von der Machbarkeit bestimmt. Damit isoliert er sich aus der Natur und verliert im Blick auf diese \u00abgeistentleerte\u00bb Natur auch sich selbst, da er in dieser (technisierten) \u00abNatur\u00bb nicht mehr vorkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kann der moderne Mensch die\u00adses Ver\u00adh\u00e4ltnis nur durch eine neue Verbindung mit der geistigen Welt wie\u00adderge\u00adwin\u00adnen: Ein Weg ist das Wissen um die wie\u00adderholten Er\u00adden\u00adle\u00adben, weil hier jeder Ein\u00adzelne seine Verbindung zum anderen Men\u00adschen auf\u00adsuchen kann und gleich\u00adzeitig den Zu\u00adgang zur geisti\u00adgen Welt ge\u00adwinnt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Christentum und<br \/>wiederhol\u00adte Erdenleben<\/h2>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ist nun die Lehre von den wiederhol\u00adten Erden\u00adle\u00adben mit dem Christentum zu ver\u00adein\u00adbaren?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vortrag des bereits erw\u00e4hnten katholi\u00adschen Geistlichen veranlasste mich in der nachfolgenden Aussprache folgende Frage zu stellen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abHerr Pfarrer, neh\u00admen wir einmal an, Sie seien gestorben. Sie kommen nun in den Him\u00admel und finden dort eine Weggabelung: Der eine Weg f\u00fchrt in das Reich der Seeligen. Der andere Weg f\u00fchrt zu\u00adr\u00fcck zur leidenden Kreatur auf die Erde. Wel\u00adchen Weg werden Sie w\u00e4h\u00adlen?\u00bb Seine Antwort: \u00abWenn ich mich dann noch so ent\u00adscheide, wie ich mich jetzt entscheide, dann werde ich den Weg wieder zu\u00adr\u00fcck zur leidenden Krea\u00adtur nehmen, um ihr, so gut ich kann, zu hel\u00adfen.\u00bb Ist eine solche Antwort nicht ein starkes Argument&nbsp;<em>f\u00fcr<\/em>&nbsp;den Sinn wiederholter Erdenle\u00adben?<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zwei sehr verschiedene Auf\u00adfassungen der wiederholten Erdenleben und des Schicksals: Eine alttestament\u00adliche Auffassung, die im \u00abAuge um Auge \u2013 Zahn um Zahn\u00bb (2.Mos. 21,24) das un\u00adausweichliche Walten des Schicksals \u00abbis in das dritte und vierte Glied\u00bb (2.Mos. 20,5) sieht, das unerbitt\u00adliche S\u00fchnen der begangenen Fehler. Diese Ansicht kann dazu f\u00fchren, die Erde so bald wie m\u00f6glich zu verlassen und sich wenn m\u00f6glich nie wieder zu verk\u00f6rpern, sondern im Nirwana, (d.h. in der Ewigkeit) zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort des katholischen Geist\u00adlichen weist aber auf die neutestament\u00adliche Sicht der wieder\u00adholten Erdeleben: Wir haben dadurch die M\u00f6glichkeit die Nach\u00adfolge Christi in immer neuen Leben mehr und mehr zu ver\u00adwirkli\u00adchen und mitzuarbeiten an der Erl\u00f6\u00adsung der Kreatur (R\u00f6m. 8,19\u201324).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Christus uns auffordert (Joh. 13,34): \u00abEin neues Gebot gebe ich euch, da\u00df ihr einan\u00adder liebet, wie ich Euch geliebt habe\u2026\u00bb oder (Math. 5,48) \u00abDarum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel voll\u00adkommen ist.\u00bb \u2013 muss man sich dann nicht w\u00fcn\u00adschen, da\u00df man an diesem Ziel immer wieder arbeiten kann?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vergebung der S\u00fcnden und Schicksal<\/h2>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wie verh\u00e4lt es sich nun mit der Ver\u00adgebung der S\u00fcnden?<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ein Gleichnis: Ein Vater hat einen Sohn. Dieser Sohn ist ein Taugenichts \u2013 ein \u00abverlorener Sohn\u00bb. F\u00fcr jede Untat des Sohnes schl\u00e4gt nun der Vater einen Nagel in die T\u00fcr. Schlie\u00dflich ist die T\u00fcr so vernagelt, da\u00df kaum noch Platz f\u00fcr wei\u00adtere N\u00e4gel vorhanden ist. Da bekehrt sich der Sohn und be\u00adschlie\u00dft alles wie\u00adder gut zu machen. Der Va\u00adter zieht nun f\u00fcr jede gute Tat des Sohnes einen Nagel wieder aus der T\u00fcr heraus. Und der Sohn bleibt be\u00adst\u00e4ndig: es kann der Vater tats\u00e4chlich alle N\u00e4gel aus der T\u00fcr wie\u00adder herausziehen. Aber die T\u00fcr ist durch\u00adl\u00f6\u00adchert. Sie bleibt besch\u00e4digt, trotz aller guten Ta\u00adten des Sohnes.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es auch mit un\u00adseren \u00abS\u00fcnden\u00bb, durch sie werde nicht nur ich schlech\u00adter, sondern auch die Welt. Wenn ich nun versu\u00adche, das began\u00adgene Unrecht wieder gut zu ma\u00adchen, so ist ja doch nicht zu leugnen, da\u00df durch meine Taten dennoch die Welt schlechter ge\u00adwor\u00adden ist. F\u00fcr die Tilgung dieser Fol\u00adgen kann Chri\u00adstus aufkom\u00admen, wenn man die Verbin\u00addung mit ihm sucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zweiter Aspekt der S\u00fcndenver\u00adgebung liegt darin, da\u00df das Schicksal, wenn es durch den Chri\u00adstus geordnet wird, immer Entwicklungskr\u00e4fte in sich tr\u00e4gt. Das kann be\u00addeuten, da\u00df be\u00adstimmte Taten der Ver\u00adgangenheit keine direkten Folgen in der Zu\u00adkunft haben m\u00fcssen. Das ist auch der Grund, da\u00df die neutesta\u00admentliche Anschauung des Schicksals nicht nur leeres Gerede ist: Wer mehr und mehr lernt, sich als Mitar\u00adbei\u00adter dem Christus zur Verf\u00fcgung zu stellen, wird sehen, wie sich auch der Charak\u00adter seines Schicksals \u00e4ndern wird. (Vgl. auch S. 15 ff)<\/p>\n\n\n\n<p>Warum aber vergibt der Christus nur denen die S\u00fcnden, die an Ihn glauben? (vgl. z.B. Mark. 4.12) M\u00fcsste man nicht erwarten, dass Er&nbsp;<em>allen<\/em>&nbsp;Menschen ihre S\u00fcnden vergibt, so wie wir das doch auch tun sollen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Christus das tun w\u00fcrde, d.h. wenn der Mensch nie die Folgen seiner Taten zu verantworten brauchte, wie sollte sich er sich dann weiter\u00adentwickeln k\u00f6nnen? Gerade die Schuld ist ja der Antrieb, an sich zu arbeiten, um die Nachfolge Christi antreten zu k\u00f6nnen. Indem aber der Mensch zum Christus ein Verh\u00e4ltnis sucht, an Ihn glaubt, beginnt er eine innere Entwicklung. Diese Entwicklung kann den Menschen zum gleichen Ergebnis f\u00fchren, wie die Entwicklung durch das Ausgleichen der Schuld, ohne allerdings erst das Schicksal des n\u00e4chsten Lebens abwarten zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&nbsp;Gibt es eine letzte Verk\u00f6rpe\u00adrung?<\/h2>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wenn ein Mensch sich immer weiter zu sei\u00adnem Besten entwickelt, mu\u00df er sich dann ewig wieder\u00adver\u00adk\u00f6r\u00adpern?<\/p>\n\n\n\n<p>Hier unterscheidet sich die abend\u00adl\u00e4ndische An\u00adschaung deut\u00adlich von der morgen\u00adl\u00e4ndischen: Im Osten wird die Wiederver\u00adk\u00f6rperung als eine Last empfun\u00adden, aus der man m\u00f6glichst aus\u00adbrechen m\u00f6chte, um in der geisti\u00adgen Welt zu bleiben, und vor der Wiederkehr des ewig Gleichen bewahrt zu wer\u00adden. Im Abendland dagegen ist das Ver\u00adst\u00e4ndnis der wie\u00adderholten Erden\u00adleben mit dem Entwicklungsge\u00addan\u00adken ver\u00adbun\u00adden. Es ist nicht das ewige Kreisen ohne Ende, sondern der kreisenden Bewe\u00adgung ist eine Fortentwicklung \u00fcberla\u00adgert: eine Schrau\u00adbenbe\u00adwegung in die Zu\u00adkunft. So wie\u00adderholt sich in je\u00addem Le\u00adben Geburt, Kindheit, Reifeal\u00adter usw. und dennoch sind die Verh\u00e4ltnisse von Leben zu Le\u00adben sehr verschie\u00adden. Ja man kann sogar sa\u00adgen, eine neue Verk\u00f6rpe\u00adrung wird erst sinnvoll, wenn sich die Erdenverh\u00e4lt\u00adnisse ge\u00adn\u00fcgend gewandelt ha\u00adben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die Erde wird sich ent\u00ad\u00adwickeln, soda\u00df Zeiten kommen, in denen sich die Menschen nicht mehr wie\u00adder\u00adverk\u00f6rpern werden. (Vgl. Rudolf Stei\u00adner: Geheim\u00adwissen\u00adschaft im Umri\u00df, s. S. 15) Aller\u00addings l\u00e4\u00dft sich an unse\u00adrem Grad der \u00abVollkommenheit\u00bb wohl able\u00adsen, da\u00df das noch nicht so bald sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Und wenn ein Mensch diese Voll\u00adkommenheit schon viel fr\u00fcher er\u00adreicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn er wirklich voll\u00adkom\u00admen ist, dann k\u00f6nnte er z.B. diese Vollkommen\u00adheit ei\u00adnem anderen zur Verf\u00fc\u00adgung stel\u00adlen und selbst des\u00adsen Schicksal auf sich nehmen, um ihm einen neuen An\u00adfang zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schicksal und Freiheit<\/h2>\n\n\n\n<p>Schon im Wort Schicksal liegt ein Verh\u00e4ltnis der Seele (Schick<em><u>sal<\/u><\/em>) zu dem, was sie trifft, was ihr ge\u00adschickt wird (<em><u>Schick<\/u><\/em>sal). In diesem Sinne finden wir die Ereignisse vor und k\u00f6nnen sie im Moment nicht selbst bestimmen oder ihnen ausweichen. Hier gibt es also keine Frei\u00adheit, sondern es vollzieht sich Notwendigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun arbeiten wir den Plan der Ereig\u00adnisse aber selbst mit aus\u00ad (vgl. S. 7). Damit sind wir in einer \u00e4hnli\u00adchen Lage, wie einer, der sich ein Haus baut und sich damit \u00abunfrei\u00bb gemacht hat, indem er nun in sein Haus auch einzieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist aber nur die eine Seite. Man kann doch beob\u00adachten, wie das Schicksal uns nur in eine Situation hineinf\u00fchrt. Da\u00df aber dann ganz of\u00adfen ist, was wir daraus machen. Hier liegt die M\u00f6glichkeit zum freien Handeln: Mein Schicksal stellt mir durch die Le\u00adbensitutation eine Frage. Wie ich diese Frage be\u00adantworte, liegt nicht vor\u00adher fest. Je nach dem, wie meine Antwort ausf\u00e4llt, wer\u00adden sich die n\u00e4chsten Er\u00adeignisse einrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine ty\u00adpi\u00adsche Situation daf\u00fcr ist eine Hei\u00adrat: Die Zu\u00adsammenf\u00fch\u00adrung ge\u00adschieht aus Schicksalskr\u00e4ften (\u00f6fter auch da\u00addurch, da\u00df ein Kind Eltern ha\u00adben will, vgl S.14), die Ehe ist aber davon abh\u00e4ngig, wie beide gemeinsam miteinander weiterleben und aneinander arbeiten wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier liegt auch eine Gefahr der An\u00adschauung der wiederholten Erdenleben: Man\u00adche Ehe zerbricht, weil einer der Beiden sagt: Jetzt erst habe ich den Men\u00adschen ken\u00adnen gelernt, den ich vom Schicksal her h\u00e4tte heiraten sollen. Da\u00df das ein Irrtum ist, zeigt schon die einfa\u00adche Erfahrung: Man begnet im Leben u.U. meh\u00adreren Menschen, die man h\u00e4tte heiraten k\u00f6nnen. Die Kunst besteht doch darin, zu diesen Menschen eine Beziehung aufzubauen, ohne da\u00df dadurch die Schicht der Ehe ge\u00adf\u00e4hrdet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine dritte Seite dieses Themas sind die freien Taten, die ihrerseits Schicksal schaffen: Wenn wir aus freier In\u00aditiative heraus et\u00adwas machen, was nur dadurch in die Welt tritt, da\u00df wir das aus ei\u00adgenem Ent\u00adschlu\u00df ausf\u00fch\u00adren, aber nicht weil uns ir\u00adgend etwas dazu n\u00f6tigt, dann sind dies Taten, die sich nicht aus dem vergan\u00adgenen Schicksal ergeben. Sie werden erst in der Zukunft Schicksal zur Folge haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Insofern k\u00f6nnen wir unterscheiden: wir werden einerseits in eine Situation gef\u00fchrt, an deren Ausgestaltung wir vor der Geburt mitgearbeitet haben. Wie wir in dieser Situ\u00adtation han\u00addeln liegt noch nicht fest. Andererseits k\u00f6nnen wir auch handeln, ohne da\u00df f\u00fcr diese Handlung eine Schick\u00adsalsnot\u00adwendigkeit vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schicksal und Seelenpflege\u00adbed\u00fcrftige<\/h2>\n\n\n\n<p>Bisher bin ich immer davon ausge\u00adgangen, da\u00df je\u00adder sein Schicksal als Pr\u00fcfung auffassen und daran arbeiten kann. Aber das ist ja f\u00fcr kei\u00adneswegs f\u00fcr alle Menschen der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wie liegen die Verh\u00e4ltnisse nun, wenn ein Mensch in diesem Sinne nicht in der Lage ist an sei\u00adnem Schicksal zu arbeiten?<\/p>\n\n\n\n<p>Denken wir etwa an einen Men\u00adschen, der das Schicksal hat, als Mon\u00adgoloider auf die Welt zu kommen, der also auf die Liebe und Unterst\u00fctzung seiner Um\u00adgebung ganz und gar ange\u00adwiesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier kann ein Hinweis Rudolf Stei\u00adners hilfreich sein. Er fand bei seinen geisteswis\u00adsenschaftli\u00adchen Untersu\u00adchungen bei be\u00addeutenden Pers\u00f6n\u00adlichkeiten fr\u00fchere Verk\u00f6rperun\u00adgen oft sog. \u00abTrottel\u00bb-Verk\u00f6rpe\u00adrungen, also Verk\u00f6r\u00adperungen (Inkarnationen), bei der die Indivi\u00addualit\u00e4t in dem betreffenden Le\u00adben ganz auf den Schutz der Um\u00adgebung an\u00adgewiesen war. Da\u00addurch konnte sich dieser Mensch mit den Liebe-Kr\u00e4ften sei\u00adner Um\u00adgebung \u00abimpr\u00e4gnieren\u00bb. In der Zeit zwischen Tod und neuer Ge\u00adburt, wurden dann diese Kr\u00e4fte in F\u00e4\u00adhigkeiten umgewandelt, die nun dem Mensch\u00adheits\u00adfort\u00adschritt dienen k\u00f6n\u00adnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher wird in der anthroposophi\u00adschen Heil\u00adp\u00e4d\u00adagogik versucht, die Seelenpflege Bed\u00fcrfti\u00adgen m\u00f6g\u00adlichst intensiv in einer solchen liebe\u00advollen At\u00admosph\u00e4re zu betreuen. Und oft wird dort die Erfahrung geschil\u00addert, wie in einem ganz eigent\u00fcmlichen Leib im\u00admer wieder ein Wesen durchscheint, das&nbsp; solche Zukunfts\u00adhoffnungen st\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Von diesem Gesichtspunkt aus ist es f\u00fcr das sich so verk\u00f6rpern wollende Wesen eine aus\u00adserordentli\u00adche Tragik, wenn ihm seine Inkarna\u00adtion durch eine Ab\u00adtreibung ver\u00adwehrt wird. Die Ab\u00adtrei\u00adbung&nbsp; erbkranker Kinder richtet in die\u00adsem Sinne grosses Unheil an. \u00dcber\u00adhaupt&nbsp; wird durch eine Abteibung ein Jahrzehnte langer Proze\u00df der Vorberei\u00adtung einer Inkarnation zu\u00adnichte ge\u00admacht, der die sich verk\u00f6rpern wol\u00adlende Seele zwingt, kurzfristig nach ei\u00adner anderen f\u00fcr sie viel ung\u00fcn\u00adstigeren M\u00f6glichkeit der Verk\u00f6r\u00adperung su\u00adchen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum m\u00fcssen so viele Kinder sterben?<\/h2>\n\n\n\n<p>Diese Frage ist sehr schwer zu be\u00adantworten, den\u00adnoch sei hier ein Versuch ge\u00adwagt, der vielleicht etwas Licht auf dieses Gebiet werfen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben bisher nur das pers\u00f6nli\u00adche Schicksal betrachtet. Neben dieser Schicht gibt es aber auch Schichten, in die das individuelle Schicksal eingebet\u00adtet ist: Schick\u00adsal in das ganze Men\u00adschengruppen ver\u00adwoben sind, z.B. V\u00f6l\u00adkerschicksale (etwa das Schicksal der Ju\u00adden und Deutschen) dar\u00fcberhinaus gibt es auch Schicksal, da\u00df durch eine bestimmte Zeitepoche ge\u00adpr\u00e4gt wird und die ganze Menschheit betreffen kann. In diese Schicht geh\u00f6rt beispielsweise der Ma\u00adterialis\u00admus der Gegenwart. Seine Auf\u00adgabe, die Menscheit mit der Erde zu verbinden (\u00abMachet euch die Erde un\u00adter\u00adtan\u00bb) hat er erf\u00fcllt, dennoch ist er dadurch nicht \u00fcber\u00adwunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man nun versucht, die Kr\u00e4fte zu skizzieren, aus denen der Materia\u00adlismus mit seiner Erkenntnisme\u00adthode der Analyse gro\u00df geworden ist, so zeigt sich, da\u00df hier mit Kr\u00e4ften gearbeitet wird, die in der Natur immer dann wirk\u00adsam werden, wenn Tod und Vergehen eingeleitet werden. Das zeigt sich z.B. daran, da\u00df man die Struktur, das Ger\u00fcst etwa eines Buchenblattes am besten sehen kann, wenn es im Herbst verwelkt ist. In seiner Bildungsphase im Fr\u00fchjahr sind nicht die Einzelheiten ma\u00dfgebend, sondernd das Blatt entfaltet sich aus einem ganzheitlichen Proze\u00df. so stehen Synthese (im Bilden und Wachsen) der Analyse (im Verwelken und Zerfallen) gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das klare Wachbewu\u00dftsein des Menschen beruht auf solchen Zerfallsprozessen. Deshalb k\u00f6nnen wir nicht beliebig wach bleiben, sondern suchen im Schlaf Prozesse auf, die die leibliche Grundlage des Bewu\u00dftseins wieder aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun w\u00fcrde das menschliche Be\u00adwusstsein durch die Anwendung dieser analyti\u00adschen Kr\u00e4fte auf lange Zeigen gesehen immer mehr selbst diesen Kr\u00e4ften unterworfen und sklero\u00adtisieren. Das h\u00e4tte zur Folge, da\u00df eine fruchtbare Weiterent\u00adwicklung der Menschheit in Frage ge\u00adstellt w\u00fcrde, weil alle f\u00fcr eine Weiterentwicklung notwendigen Lebens\u00adkr\u00e4fte verdor\u00adren m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit dieses Verdorren nicht eintritt, wird ein gros\u00adses Ma\u00df an Lebenskr\u00e4ften ge\u00adbraucht. Diese Kr\u00e4fte werden frei, wenn Kinder fr\u00fch sterben, weil sie ihre Le\u00adbenkr\u00e4fte in ihrem kurzen Leben nicht verbrauchten. Dadurch wird ein \u00dcber\u00adhandnehmen der \u00abMenschheits\u00adskle\u00adrose\u00bb einged\u00e4mmt. Unsere mate\u00adrialistische Kultur lebt ge\u00adwisser\u00admassen auf Kosten der fr\u00fch ster\u00adbenden Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p>Das l\u00e4sst sich auch innerhalb der Wirtschaft wie\u00adderfinden: Der reiche Norden lebt seine materialisti\u00adsche \u00dcberflussgesellschaft auf Kosten des S\u00fcdens, wo Hunger und Armut zu hoher Kindersterblichkeit f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Selbstmord<\/h2>\n\n\n\n<p>Vom Gesichtspunkt der wiederhol\u00adten Erdenleben gibt es kaum eine gr\u00f6s\u00adsere Illusion, als zu glauben, man k\u00f6nne durch Selbstmord seinem Schicksal ent\u00adgehen. Im Gegenteil: Auf den Selbstm\u00f6rder kommt nach dem Tode mit der ganzen Kraft seines nun nicht mehr ausgeleb\u00adten Schicksals der Vorwurf zu, G\u00f6tterwerk zunichte gemacht zu haben. Denn es waren ja hohe geistige Wesen, die mit uns zusammen vor diesem Leben unser Schicksal gestaltet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Lindern kann man seine Qualen, wenn man in liebevollen Gedanken sich mit ihm verbin\u00addet. (Spr\u00fcche, die f\u00fcr eine solche Verbin\u00addung hilfreich sein k\u00f6nnen: s.S. 15).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zunahme der Weltbev\u00f6lkerung<\/h2>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Wo kommen die Seelen her, wenn die Weltbev\u00f6l\u00adkerung zunimmt?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch diese Frage ist sehr schwer zu beantwor\u00adten, denn ei\u00adnerseits ist das Jahrtausendende eine Zeit, die viele miterleben wol\u00adlen. Dadurch verk\u00fcr\u00adzen sich ge\u00adgen\u00adw\u00e4rtig die Abst\u00e4nde zwi\u00adschen zwei Verk\u00f6r\u00adperun\u00adgen, die sonst nach Jahr\u00adhunderten z\u00e4hlen. Anderer\u00adseits gibt es auch sog. junge Seelen, d.h. Seelen, die erst auf ver\u00adh\u00e4ltnism\u00e4s\u00adsig sehr wenige Verk\u00f6rperun\u00adgen zu\u00adr\u00fcckblicken. Bei\u00addes f\u00fchrt zu einer Zu\u00adnahme der Erdbev\u00f6lkerung. Wie sich das weiterentwickeln wird, ist schwer vor\u00adher\u00adzu\u00adsa\u00adgen. Rechnerisch ist zwar ein stark zuneh\u00admendes Wachstum der An\u00adzahl der Men\u00adschen auf der Erde vorher\u00adsehbar. Wie weit aber die Erde selbst diese Entwicklung erm\u00f6glichen wird, ist eine offene Frage. So stellt sich etwa die Frage: k\u00f6n\u00adnen alle Menschen er\u00adn\u00e4hrt werden?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie kommt man zur Erfahrung<br \/>der fr\u00fc\u00adheren Er\u00addenleben?<\/h2>\n\n\n\n<p>Bisher habe ich nur Erlebnisse be\u00adschrieben, die hinweisen k\u00f6nnen dar\u00adauf, da\u00df es wieder\u00adholte Erden\u00adleben gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gibt es aber auch eine unmittelbare oder wenig\u00adstens mittelbare Erfah\u00adrung eige\u00adner fr\u00fcherer Er\u00adden\u00adleben?<\/p>\n\n\n\n<p>Um solche rein geistigen Erfahrun\u00adgen machen zu k\u00f6nnen, bedarf es einer Schu\u00adlung, durch die sich die (geistigen) Wahrnehmungs\u00adorgane bil\u00adden, die dann diese Erfahrungen ver\u00admitteln k\u00f6nnen. Eine Einf\u00fchrung in einen solchen Schulungs\u00adweg ist in den Schriften Ru\u00addolf Stei\u00adners gegeben (vgl. Wie er\u00adlangt man Er\u00adkenntnisse h\u00f6he\u00adrer Welten? s. S. 15). Dort ist be\u00adschrieben, wie man mit Hilfe von Meditations\u00ad\u00fcbungen diese Organe ausbil\u00adden kann. Wie eine unmit\u00adtelbare Erfah\u00adrung selbst aus\u00adsehen kann, ist im zweiten Myste\u00adriendrama \u00abDer H\u00fcter der Schwelle\u00bb (s.S. 15) von Ru\u00addolf Steiner be\u00adschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese \u00dcbungen f\u00fchren auch dazu, aufmerk\u00adsamer auf die Ereignisse des Lebens zu schauen. Wenn man ausser\u00addem die Gesetzm\u00e4s\u00adsigkeiten des Schicksals (Karma) in der Literatur studiert und sich unter diesem Ge\u00adsichtspunkt eine gute Ge\u00adschichtsan\u00adschauung an\u00adeignet, dann darf man dar\u00adauf hoffen, wenn man wirklich ernst\u00adhaft an die\u00adsen Fragen arbeitet und nicht nur aus Neugier, da\u00df dann das Schick\u00adsal einen so f\u00fchrt, da\u00df ihm Ereignisse be\u00adgegnen, die ein Licht auf die eigene Vergan\u00adgenheit werfen k\u00f6n\u00adnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aller\u00addings ist f\u00fcr die Arbeit auf die\u00adsem Felde ein ge\u00adsundes Mi\u00dftrauen ge\u00adgen die eigenen W\u00fcn\u00adsche erforderlich. Zu gern m\u00f6chte man doch in der Ver\u00adgan\u00adgeheit et\u00adwas Beson\u00adderes gewesen sein. Und W\u00fcn\u00adsche k\u00f6nnen auf die\u00adsem Gebiet die gleiche Wir\u00adkung haben wie Projektio\u00adnen in der Psychologie: Man sieht, was man w\u00fcnscht. Nur hat das mit der Wirklichkeit we\u00adnig zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man nun tats\u00e4chlich meint, sich f\u00fcr die Wiederverk\u00f6rperung einer bedeutenden Pers\u00f6nlich\u00adkeit der Vergangenheit halten zu m\u00fcssen, so kann man das u.U. daran pr\u00fcfen, ob man demgegen\u00fcber Scham empfindet, dieser Vergangenheit im gegen\u00adw\u00e4rtigen Leben nicht gen\u00fcgend gerecht geworden zu sein. Wenn diese Scham nicht auftritt, dann sollte man den Verdacht auf eine Wunschvorstellung streng pr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein unbe\u00adirrbarer Wahrheitssinn ist jedenfalls eine not\u00adwen\u00addige Vorausset\u00adzung f\u00fcr solche For\u00adschungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h2>\n\n\n\n<p><em>\u00dcber Rudolf Steiner:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Friedrich Rittelmeyer: Meine Le\u00adbensbegeg\u00adnung mit Rudolf Steiner<\/p>\n\n\n\n<p><em>Grundwerke der Anthroposophie:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner, Wie erlangt man Er\u00adkenntnisse h\u00f6\u00adherer Welten, Dornach 1982, Bibl.-Nr. 10<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner, Theosophie, Dornach 1978, Bibl.-Nr. 9<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner, Geheimwissenschaft im Umri\u00df, Dornach 1981, Bibl.-Nr. 13<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcber Wiederverk\u00f6rperung und Schick\u00adsal:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner, Vier Mysteriendramen, Dornach 1981, Bibl.-Nr. 14<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner, Reinkarnation und Karma, Dornach<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner: Offenbarungen des Karma, Dornach 1975 Bibl.-Nr. 120<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner, Esoterische Betrach\u00adtungen kar\u00admi\u00adscher Zusammen\u00adh\u00e4nge, I-VI, Dornach 1975-1981, Bibl.-Nr. 235-240<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00dcber die Verbindung zu den Toten:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner: Unsere Toten, Dornach 1963, Bibl.-Nr. 261<\/p>\n\n\n\n<p>Rudolf Steiner: Verbindung zwischen Lebenden und Toten, Dornach 1984, Bibl.-Nr. 168<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Teil Das Tor der Geburt,das Tor des To\u00addes Was ge\u00adschieht, wenn man davon ausgeht, da\u00df die menschliche Exi\u00adstenz mit der Ge\u00adburt (oder der Zeu\u00adgung) be\u00adginnt und mit dem Tode endet. 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